Freitag, 3. Oktober 2008

Okinawa!!

Wie die meisten ja schon wissen, war ich im September für vier Tage in Okinawa und konnte nochmal richtig Urlaub machen. Die Gelegenheit ergab sich da Tati, eine Freundin aus Berlin, für vier Wochen zu Besuch nach Japan kam, und zum ersten Mal selbst die Gelegenheit hatte, sich ein Bild von der verrückten Heimat vieler Freunde zu machen. ^^ So bot sich auch die Gelegenheit kurzentschlossen noch die südlichste Präfektur Japans anzuschauen, und das fast tropische Klima dort zu genießen(?) *schwitz*

Okinawa ist die größte der Ryukyu Inseln im Süden Japans und war ursprünglich eigentlich kein Teil des Landes, sondern bildete ein eigenständiges Königreich, bevor sie von Japan erobert und 1879 vollständig angegliedert wurde. Das merkt man auch eindeutig an der lokalen Kultur, die sich teilweise sehr von der japanischen unterscheidet. Einige kulturelle Errungenschaften Japans haben in Wirklichkeit auch hier ihren Ursprung, wie die Kampfsportarten Karate oder Kobudo (bekannt durch Waffen wie das Nunchaku), die sich aus chinesischen Einflüssen in Okinawa entwickelten. Heutzutage lässt sich in Okinawa aber durch die sehr starke US-Militärpräsenz eher eine Amerikanisierung feststellen; subjektiv wirkte die Insel auf uns jedenfalls fast mehr amerikanisch als japanisch.
Lustigerweise gab es geschichtlich sogar Beziehungen zu Deutschland. Uns mutete anfangs bizarr an, dass es auf Okinawa ein "German village" gibt, einen Themenpark, den wir leider(?) nicht besuchen konnten da die Insel zu weit weg war. Der Grund ist jedoch auf Wikipedia zu lesen:
"Kaiser Wilhelm II. ließ 1878 auf der Insel Miyako ein Denkmal zum Dank für die Errettung der Besatzung eines gekenterten friesischen Schiffes errichten und legte somit quasi den Grundstein für die Beziehung zwischen Ryūkyū und Deutschland."
Alles klar. Aber eigentlich interessierte uns die Kultur in Okinawa auch gar nicht (Kulturtrip?? Nix, Strandurlaub!!) und wir kuckten uns lieber das Meer, die Natur und die lokale Küche an. Wobei dann letztendlich mit täglich japanischem Frühstück (oder auch nicht, gell Tati), zweimal Burger essen, und nur zwei Mal Okinawa Küche nicht viel davon hängen blieb. Aber Strände schauten wir uns so viele wie möglich an, was sich auch definitiv lohnte. Unglaublich schön; mit türkisblauem Meer, dank Nebensaison total wenigen Leuten und genau der richtigen Wassertemperatur einer der besten Badeorte, wo ich bis jetzt war. Am besten nachzuvollziehen auf den Panoramabildern, die ich gebastelt hab. :-)

Neben Okinawa selbst hatten wir auch vor auf eine der kleineren Inseln in der Nähe rüberzukucken. Leider klappte unser Vorhaben nicht auf das Taucherparadies Zamamijima rüberzuschauen, wo es einige der schönsten Strände geben soll. Daher entschieden wir uns auf eine der nähergelegenen Inseln zu schauen und entschieden uns für Kudakajima, etwa 20 Minuten mit dem Boot entfernt. Dort angekommen liehen wir uns Fahrräder. Innerhalb von 15 Minuten war die Insel durchquert und wir machten uns auf die Suche nach dem beschriebenen Strand. Leider stellte sich die Suche als nicht sehr erfolgreich heraus und wir gaben nach 2 Stunden Radelns in brütender Hitze und semi-dschungel artiger Natur auf. Als wir jedoch selbst schauten, statt uns auf den Rat der netten Frau des Fahrradverleihs zu verlassen (Schönen Dank auch!!) fanden wir auch sehr schnell einen ziemlich schönen Strand, leider ohne die Zeit zu haben noch baden zu gehen (das Boot wartete). Nichtsdestotrotz war es aber eine super Tour, die auf jeden Fall noch lange im Gedächtnis bleibt. Wie zum Beispiel auch die Riesenspinnen, die uns mit ihrem Meganetz direkt auf dem Fahhrad erwischt hätten (*brrr*)
oder die Mini Einsiedlerkrebse, die am Strand rumliefen.
Von Japan aus ist Okinawa auf jeden Fall immer eine Reise wert; angeblich sollen sich auch in Japan bald Billigflug-Airlines etablieren, so dass ich ja schon stark auf günstigere Kurzstrecken-Flugpreise spekuliere...

Mittwoch, 4. Juni 2008

Oktoberfest im Mai

Wie ich mir schon dachte, komm ich gar nicht dazu ueber die Sachen zu schreiben, ueber die ich eigentlich schreiben wollte. Aber jetzt muss ich erstmal ein paar Nachtraege machen.
Letzte Woche fand hier in Tokyo Oktober(!)fest statt. Ja. Man hoere und staune... Da musste ich als Exil-Deutscher natuerlich gleich hin. Mitgekommen sind noch meine Schwester, deren Japanischkurs sich hier langsam dem Ende neigt, ein italienischer Mitstudent von ihr, Nassar, ein libanesischer Komilitone von mir aus meinem Lab und Ben, der mein Nachfolger bei der JDG war und der hier seine Diplomarbeit schreibt.
Per Zufall gabelte meine Schwester auf dem Weg auch noch Anja, eine Komilitonin von mir aus Tuebingen, in der Ubahn auf. Die Welt ist wirklich sehr klein... Auch wenn man es nicht glauben will, ich hab es inzwischen schon 4mal geschafft per Zufall Leute hier zu treffen, von denen ich meistens gar nicht wusste, dass sie in Japan/Tokyo waren. Und das in einer 30 Mio. Stadt(!)

Alles in allem war es eine ganz lustige, wenn auch bizarre Veranstaltung. Das Wetter hat das ganze leider ein bischen versaut, es goss naemlich aus Stroemen. Aber warum machen die das auch am Anfang der Regenzeit!? Vielleicht dachten sie ja, das ganze sei wettertechnisch equivalent zum deutschen Oktober hehe. Wie man auf den Fotos sieht, verharrten wir also dann die meiste Zeit unter den Regenschirmen und genossen soweit es ging unsere Original Wurst mit wahlweise echtem bayrischen Oktoberfestbier oder auch etwas weniger gaengigeren Sorten wie einem lokal gebrauchten Weizenbier oder Koestritzer. Das Essen war auch gut durchmischt, neben Leberkaese, Bretzel und Weisswurst gabs auch Thueringer oder Maultaschen mit Tomatensosse(!). Hier kann man sich alle Fotos mal ansehen.Danach zogen wir dann in eine Shisha-Bar in Roppongi, einem hauptsaechlich von Auslaendern frequentierten Nachtviertel von Tokyo um. Nassar hatte die Bar empfohlen und ich fand es auch mal wieder ganz lustig Wasserpfeife zu rauchen, was in Japan in letzter Zeit ein bischen in Mode zu kommen scheint, auch wenn es noch nicht so haeufig wie in Europa zu finden ist. Auf jeden Fall aber eine willkommene Ergaenzung zum Angebot an Ausgehmoeglichkeiten.

Dienstag, 27. Mai 2008

Wie ich bisher wohnte und wo ich jetzt wohne...

Ich hoff natürlich, dass mich jeder, der nur kann, hier mal besuchen kommt, und sich selbst Tokyo und wo ich hier wohne, ansieht. Für die Zeit bis dahin aber, und alle anderen, hab ich gedacht, stell ich hier mal kurz Nakano vor, das Viertel in Tokyo wo ich wohne. Davor aber noch bischen dazu wie ich bisher hier gehaust habe...

Bevor ich mich an der Waseda Uni hier eingeschrieben hatte und die Praktika bei der JDG und Mitsubishi gemacht hab, hab ich meistens in Guesthouses von "Sakura House" gewohnt, einer Firma, die speziell für Ausländer hier Unterkünfte vermietet. Die sind zwar sehr praktisch (man kann extrem kurzfristig ein- und ausziehen) und liegen ziemlich gut, aber auch ziemlich teuer (verglichen mit den Zimmern und Wohnbedingungen). Gewohnt wird in WGs in denen man sich Bad und Küche mit anderen teilt. Je nach Mitbewohnern sind dann eben auch Sauberkeit und Atmosphäre. Bei mir war es soweit eigentlich immer ganz ok, hatte nette Leute und einigermassen saubere WGs. Hier mal ein Foto wie das dort aussah.

Als ich mich dann für die Uni hier eingeschrieben hatte, wollte ich aber doch ausziehen weil länger im Guesthouse zu wohnen nicht so wirklich toll ist. Die Mitbewohner wechseln im zwei Wochentakt, was nach einer Weile ziemlich nerven kann, und die Zimmer sind sehr eng, was es nicht erlaubt sich richtig einzurichten.
Also hab ich mich per Immobilienbüro auf die Suche nach einem Zimmer gemacht. Hauptkriterium für den Ort war, dass ich nahe an der Uni und auch sonst möglichst gut angebunden an das öffentliche Verkehrssystem bin. Ich hatte Nakano schon empfohlen bekommen und es passte für mich auch sehr gut rein. Ich hatte auch Glück und fand ein relativ günstiges Zimmer für das ich mich dann entschieden hab. Die Prozedur bis ich es dann aber endlich hatte war unglaublich aufwendig, mit viel Telefonieren und Verhandeln verbunden, da es vor allem für Ausländer nahezu ein Ding der Unmöglichkeit ist hier eine Wohnung zu finden. (die "kulturellen Unterschiede" schrecken japanische Vermieter ab...) Letztendlich nach 6 Wochen verhandeln ging es dann aber zum Glück und seitdem darf ich hier wohnen. :-)

Nakano ist übrigens am westlichen Rand vom Zentrum von Tokyo, also auf der anderen Seite als die Küste. Wie ich gerade hier auf Wikipedia lesen musste, ist es tatsächlich das am dichtest besiedelte Viertel in ganz Japan(!)... Unglaublich. Kein Wunder find ich nie nen Parkplatz für mein Fahrrad. Zu den Parkverhältnissen hier werd ich auf jeden Fall auch noch mal bloggen müssen. Wer noch paar Bilder mehr von hier sehen will, kann das auf meinem Webalbum tun.

Mirjam, meine Schwester ist übrigens auch gerade hier in Tokyo und macht einen Sprachkurs. Sie wohnt im Moment auch in einem Sakura House, allerdings eines wie ich es bisher noch nicht gesehen hab. Auf jeden Fall ein Foto wert :-D

Donnerstag, 22. Mai 2008

Blogtitel
















Als bei mir das Vorhaben reifte einen blog zu schreiben, musste ich mir natürlich auch einen Titel überlegen. Ich hab mich jetzt für das japanische Sprichwort: "mizaru, kikazaru, iwazaru" entschieden, das heisst soviel wie: "nichts sehen, nichts hören, nichts sagen" und dürfte in der Übersetzung dann den meisten doch etwas sagen denke ich. Vielleicht kennt ja der eine oder andere die Geschichte mit den drei Affen.
(wenn nicht kann man sich hier informieren)

Ich fand das Sprichwort schon immer sehr interessant und ich finde es passt auf eine bestimmte Weise sehr gut zu meinem Japan-bezogenen Blog, weil es eben zeigt, wie grundsätzlich Unterschiede sein können, und ein Vermeiden von Missverständnissen nahezu ausschließen.

Erster Eintrag :-)

Nachdem ja nun inzwischen schon jeder einen Blog hat, geb auch ich meinen Widerstand auf und fang jetzt auch damit an. In etwa so wie damals mit der Anschaffung des ersten Handies oder den ganzen social-networking plattformen. ^^;
Im Endeffekt haben aber doch einige Vorteile überwogen, nämlich das ganze als ein Tagebuchersatz nutzen zu können und eben auch die Möglichkeit für Familie und Freunde zu sehen, was ich gerade mache, ohne ständig von mir mit Rundmails zugemüllt werden zu müssen. ;-)

Ich werde denke ich erst einmal einige Nachträge machen, zum Beispiel zu meiner Uni und wo ich wohne, damit sich jeder davon auch mal ein Bild machen kann.

Normal werd ich wohl naturgemäß größtenteils über Japan schreiben. Ich find es immer noch unverändert spannend zu sehen wie hier westliche und asiatische Konzepte aufeinander stoßen. Damit meine ich jetzt weniger die ausgelutschte Binsenweisheit dass sich "Tradition und Moderne treffen" sondern mehr wie Japaner und Westler, wie wohl Viele nachvollziehen können, oft unverändert aneinander vorbeireden und man eigentlich die Hoffnung aufgeben müsste, dass es ein echtes gegenseitiges Verständnis geben könnte. Aber das wiederum ist wohl etwas, das auch nur allzu menschlich ist, und nicht nur auf hier beschränkt sein dürfte.